Support: +49 (0)209 38642-22        Supportfall melden

Chipkrise 2022 - wie geht es weiter?

Wenn in den Medien über die aktuelle Chip-Krise berichtet wird, konzentriert sich die Aufmerksamkeit meistens auf die Automobilbranche. Doch Chips werden in unzähligen Geräten benötigt, um verschiedenste Aufgaben zu erledigen. Das Beratungsunternehmen Goldman Sachs gab an, dass 169 Branchen von der Halbleiter- bzw. Chip-Knappheit betroffen sind. 

Der Anfang der Chip-Krise wird allerdings mit der Automobilindustrie in Verbindung gebracht. Anfang 2020 stand die Halbleiterindustrie noch vor einem kräftigen Aufschwung. Als Corona auf der Bildfläche erschien, befürchteten die Automobilkonzerne einen Einbruch bei der Nachfrage und stornierten Ihre Aufträge an Chiphersteller. Der Einbruch kam auch im Frühjahr 2020, hielt aber nur für kurze Zeit an, bis die Nachfrage plötzlich wieder stark anstieg. Die Fertigungskapazitäten, die von den Einkäufern der Automobilkonzerne storniert wurden, standen nicht mehr zur Verfügung, weil sie in der Zwischenzeit von Herstellern von Unterhaltungselektronik reserviert wurden. Denn die Nachfrage nach Smartphones, Laptops, Spielekonsolen etc. stieg durch die Pandemie so stark an, dass die weltweiten Chip-Reserven schnell aufgebraucht waren.

In den kommenden Monaten kam es zu weiteren unvorhersehbaren Ereignissen, die die Lage noch verschärften. Im Februar 2021 mussten große Produktionsstätten von Herstellern wie Samsung, NXP und Infineon in Austin (Texas) den Betrieb aussetzen. Durch Schneestürme verursachte Stromausfälle führten zu Beschädigungen sowohl an den Produktionsanlagen als auch an Teilen der Infrastruktur der Fabriken. Im März 2021 kam es zu einem Großbrand in einer Fertigungsanlage des chinesischen Chip-Herstellers Renesas Electronics. Auch die Sanktionen, die der damalige Präsident Donald Trump gegen den chinesischen Hersteller Huawei verhängt hatte, trugen weiter zum Chipmangel bei. Zum einen kauften viele Unternehmen auf Vorrat, um den drohenden Strafzöllen zu entgehen. Zum anderen nutzten chinesische Unternehmen die Gelegenheit und kauften einen Großteil der verfügbaren Chips und Herstellungsanlagen auf.

Auch heute können Analysten das Ende der Chip-Krise nicht genau vorhersagen. Denn die unterschiedlichen Branchen leiden, auch wenn es unter dem Namen "Chip-Krise" verallgemeinert wird, unter dem Mangel an zum Teil sehr unterschiedlichen Bauteilen, die auf der Halbleitertechnik basieren. Bei der Playstation 5 von Sony ist es zum Beispiel nur eine spezielle Isolierfolie, an der es mangelt. In der Automobilbranche fehlt es an Steuer-Geräten ebenso wie an Komponenten der Bordelektronik. Und nicht zuletzt benötigt quasi jede Hardware aus dem Bereich der Informationstechnologie Halbleiter, ohne die dieser Technologie-Zweig nicht existieren würde. Viele Hersteller von Halbleitern und Chips haben auf die Krise mit der Ankündigung reagiert, neue Produktionsstätten bauen zu wollen, um die weltweit steigende Nachfrage befriedigen zu können. Der Aufbau einer Produktionsstätte benötigt allerdings mehrere Jahre und ist mit enormen Kosten verbunden. An dieser Stelle wird die Unterstützung der Länder in Form von Subventionen erwartet.

Aufgrund dieser vielen Faktoren und ungünstigen Umstände erwarten Spezialisten keine Entspannung der Lage vor Ende 2022, einige rechnen mit Engpässen bis ins Jahr 2024.