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5G - Neues Netz mit alter Technik

Vor einigen Monaten hieß es noch, dass der Ausbau des 5G-Netzes vor allem über neue Funkmasten realisiert werde, die zwar auf hohen Frequenzen senden, aber nur eine vergleichsweise geringe Reichweite von ca. einem Kilometer haben würden. Für den Ausbau versteigert die Bundesnetzagentur in diesem Jahr neue Frequenzen in dem Bereich zwischen 3,4 und 3,7 GHz und im 2 GHz Bereich.

Ein neuer Ansatz, dem Vodafone als weltweiter Vorreiter nachgeht, ist nun aber die Nutzung der freigewordenen DVB-T Frequenzen. Ermöglicht wird dies durch die sogenannte Digitale Dividende 2. Der Begriff bezeichnet die Umverteilung von bisher für digitales Fernsehen genutzten Frequenzen für den Mobilfunk. Vodafone setzt auf Frequenzen im 700-MHz-Band, über die bis 2019 noch das digitale terrestrische Fernsehen übertragen wurde. Heute wird Digitalfernsehen stattdessen im Bereich unterhalb von 690 MHz übertragen.

Vodafone geht noch einen Schritt weiter. Der Umbau der bereits bestehenden Sendeanlagen soll es ermöglichen, sowohl LTE als auch 5G Nutzer über eine Antenne zu versorgen. Die Technik, die dabei zum Einsatz kommt, heißt "Dynamic Spectrum Sharing". Die zur Verfügung stehende Bandbreite wird dabei dynamisch auf die Nutzer verteilt, die mit ihrem Smartphone an der jeweiligen Basisstation angemeldet sind. Das ermöglicht einen relativ zeitnahen Einstieg in 5G und einen nahtlosen Übergang von LTE zu 5G, sobald genügend Endgeräte den Standard unterstützen. Nach Angaben von Vodafone beträgt die Bauzeit eines neuen Sendemastes von der Anmeldung, über behördliche Genehmigungen bis hin zur Fertigstellung ca. zwei Jahre. Bis zum Sommer will Vodafone durch den Umbau bereits bestehender Sendeanlagen aber schon rund 5 Millionen Teilnehmer mit der LTE-5G-Kombi auf 700 und 800 MHz versorgen, bis Jahresende sollen es 10 Millionen werden. Dafür will das Unternehmen rund 8000 Antennen an 2800 Standorten auf einer Fläche von mehr als 60.000 Quadratkilometern aufrüsten.

Zwar ermöglicht der 5G-Standard im niedrigen Frequenzbereich nicht die 10 Gigabit, die mit 5G im hohen Frequenzbereich möglich seien sollen, trotzdem soll eine Downloadgeschwindigkeit von bis zu 200 Megabit erreicht werden können, was gerade in ländlichen Gebieten, aber auch heute noch in vielen Städten sogar die DSL Geschwindigkeit um ein Mehrfaches überträfe. Dazu haben niedrige Frequenzen die Eigenschaft, Mauern und andere Hindernisse weiter zu durchdringen, was den Empfang im Haus deutlich verbessert.

Kurz nach Vodafone gab auch die Telekom bekannt, bereits zwei Standorte aufgerüstet zu haben, um einen Parallelbetrieb von LTE und 5G mithilfe von Dynamic Spectrum Sharing einzurichten.In einer Pressemitteilung hieß es sogar, dass bis zum Jahresende Telekom-Kunden in allen Bundesländern Zugriff auf das 5G-Netz haben werden.